Was ist die Zentralperspektive?

Die Zentralperspektive, auch: lineare Perspektive, ist eine Methode der räumlichen Darstellung in der Kunst, bei der ein Bild basierend auf einem einzigen Fluchtpunkt konstruiert wird (siehe dazu auch: Fluchtpunktperspektive). Sie ermöglicht es Künstlern, die Illusion von Raum, Entfernung und Weite zu erzeugen und bildliche Kompositionen zu schaffen, die realistisch und ansprechend wirken. Sie wurde zu Beginn der Renaisance in Italien rfunden bzw. entwickelt. Mehr über die Geschichte der Perspektive in der Kunst. Hier die wichtigsten Begriffe am Beispiel einer italienischen Architekturvedute. Um die Raumillusion so perfekt wir möglich zu machen, befindet sich der Fluchtpunkt auf Augenhöhe des Betrachters. Die waagerechte Horizontlinie des Bildes geht durch diesen Fluchtpunkt. Wenn es nur einen Fluchtpunkt gibt, spricht man von einer Zentralperspektive (Einpunkt-Perspektive).

Hinweis: Es gibt aber auch Raum-Konstruktionen mit zwei Fluchtpunkten oder sogar drei Fluchtpunkten.
Die Zentralperspektive basiert darauf, dass parallele Linien, die sich vom Betrachter entfernen, sich in der Ferne in einem einzigen Punkt, dem Fluchtpunkt, treffen. Dieser Fluchtpunkt liegt auf der Horizontlinie, die den Bildraum in zwei Teile, den Himmel und den Boden, teilt. Oder anders formuliert: der Abstand zwischen zwei parallelen Linien wird mit zunehmender Entfernung immer geringer - bis er schließlich am Horizont so gering ist, dass man ihn mit dem menschlichen Auge nicht mehr erkennen kann. So entsteht ein Eindruck von Weite und Tiefe im Bild.

Allerdings funktioniert diese Art der perspektivischen Konstruktion in aller Regel nur mit "geraden" Kanten bzw. Flächen, also zum Beispiel bei Häusern und Gebäuden, Straßen und Schienen, Inneneinrichtungen etc. In reinen Landschaftsbildern benötigt man andere Methoden für die Raumillusion im Bild, zum Beispiel die Farbperspektive oder die Luftperspektive.
Bild-Raum-Illusion konstruieren

Architektur- Bilder geeignet
Mit Hilfe der Zentralperspektive kann man einen Bildraum erschaffen, in dem man prinzipiell alles darstellen kann. Das eröffnete ungeahnte Möglichkeiten - und die Entwicklung der Kunst bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts zeigt, wie vielfältig diese Möglichkeiten genutzt wurden. Es war die Leistung der Kubisten (z.B. Braque, Picasso, Gris), der Expressionisten (z.B. Matisse) sowie der abstrakten Kunst (z.B. Kandinsky, Mondrian, Malewitsch), den Weg der Raumillusion auf Bildern zu verlassen, um neue Qualitäten auf der zweidimensionalen Bildfläche zu entdecken.
Heutzutage wird die Zentralperspektive sowohl in der Malerei als auch in anderen visuellen Medien wie Animationen oder Computerspielen verwendet. Sie ist eine grundlegende künstlerische Technik, die in der Bildkomposition und räumlichen Darstellung eingesetzt wird, um eine eindrückliche visuelle Erfahrung zu schaffen und den Betrachter in das Bild hineinzuziehen.
Farbperspektive

Abschließend sei noch einmal wiederholt, dass man mit Hilfe von Farbe die Tiefenwirkung des Bildes verstärken kann. In der Ferne wirkt alles blass, grau, oft blau. Die Nähe des Bildraumes hingegen ist kontrastreich, mit kräftigen Farben, vor allem Rot und Brauntöne sind in Landschaften dominant. Siehe dazu die beiden Themen Luftperspektive und Farbperspektive.
Die gezeigten Grafiken dienen der Veranschaulichung des Prinzips. Die künstlerische Herausforderung liegt nun darin, den Bühnenraum durch eine geeignete Komposition "zu bespielen". Denn man darf nicht vergessen, dass es eine Diskrepanz von gemalten Raum und der flachen Bildfläche gibt. Die geschickte Verzahnung von formaler Malfläche und Raumillusion ist das Geheimnis zahlreicher herausragender Werke der Kunstgeschichte.

Arbeitsblätter zum Thema Perspektive, die ich mit Schülern bearbeite:
- Aufgabe: Plastische Körper zeichnen
- Frührenaissance: Perspektive: Bild als Illusionsraum, Künstler
- Aufgabe: Grundlagen Zentralperspektive zeichnen
Wenn man sich nicht für das "Bild als Bühnenraum" interessiert, sondern nur einzelne Gegenstände oder Dinge räumlich zeichnen will, kann man dafür gerne auch den Parallelperspektive: räumlich Zeichnen ohne Fluchtpunkt lesen.
Weitere Artikel zum Thema Perspektive:
- Perspektive zeichnen - wie geht das?
- Perspektive á la Albrecht Dürer: wie man eine Laute zeichnet
- Kunsthistorische Entwicklung der Perspektive
- Froschperspektive einfach erklärt
- Militärperspektive (Axonometrie) einfach erklärt
- Farbperspektive, um mit Farben Raumtiefe zu erzeugen
Quellen / Weiterlesen
- arthistoricum.net: Filippo Brunelleschi und die Zentralperspektive
- Davor Löffler: Über die Auswirkungen der Entdeckung der Zentralperspektive
- Ursula Ender: Die Zentral-Perspektive & deren [Innen-]Raumwirkung